... unbegreiflichen Erscheinungen der Naturkräfte (Geysire, Vulkane, u.dgl.)
waren, weiterhin Vorurteile und Mythen (heilige Bäume, Haine,
Wildnisse, u.dgl.) und schließlich die Politik von Herrschern, die
einerseits das Großwild (Auerochsen, Wisente) im eigenen Interesse für
sich schützten und anderseits damit auch für die Öffentlichkeit, indem
sie die natürlichen Ressourcen vor übermäßiger Nutzung bewahrten. Zu den
letztgenannten Maßnahmen kann man auch das Jagdverbot, den Schutz
nützlicher Vögel sowie die Einschränkung der übermäßigen Abholzung
zählen.
Dank der ursprünglichen Mythen verschiedener Völker sind in allen Teilen
der Welt zahlreiche uralte Bäume, unzugänglich Wildnisse oder
Urwaldfragmente als heilige und unantastbare Kultstätten erhalten
geblieben. Mit dem Anwachsen der menschlichen Population auf der
Erdkugel kamen Probleme der zweckmäßigen Bewirtschaftung verschiedener
natürlicher Ressourcen zum Vorschein.
Die gegenwärtige Idee des Umweltschutzes hat ihren Ursprung in der
zweiten Hälfte des 19. Jh. In Europa ist sie aus einer Bewegung heraus
gewachsen, die eine Reaktion auf den dynamischen
Industrialisierungsprozess und die Expansion der Städte sowie den immer
weiter zunehmenden Grad der Luft- und Wasserverschmutzung darstellte. In
den Vereinigten Staaten ist die Idee aus Angst vor dem Raubbau an den
Bodenschätzen entstanden. Im 20. Jh. ist das Wissensniveau zum Thema
Umwelt ständig gewachsen. Man hat zahlreiche Versuche unternommen, die
vom Aussterben bedrohten Arten, insbesondere den Bison zu retten. Erst
das Aussterben der Wandertaube verhalf den Anhängern des Umweltschutzes
die Aufmerksamkeit anderer Gruppierungen zu gewinnen und ermöglichte das
Wesen des Problems darzulegen. Infolge dieser Aktivitäten berief
Präsident Woodrow Wilson im Jahre 1916 den National Park Service, eine
föderale Agentur der Vereinigten Staaten, deren Aufgabe ist es, die
natürlichen Ressourcen und das historische Erbe des Landes zu schützen.
In den sechziger Jahren des 20. Jh. zog die von Einzelnen propagierte
Sorge um die Umwelt immer breitere Kreise und wandelte sich schließlich
zu einer gesellschaftlichen Bewegung mit einer präzise definierten
Ideologie. In den siebziger Jahren wurde in Indien die Bewegung Chipko
gegründet. Ihre Mitglieder, durch die Philosophie von Mahatma Ghandi
inspiriert, setzten sich gegen die Waldabholzung zur Wehr, indem sie
wortwörtlich die Bäume umarmten. Ihre friedlichen Proteste sowie der
Slogan „Ökologie ist dauerhafte Ökonomie” haben sich als äußerst
einflussreich herausgestellt.
In der Mitte der siebziger Jahre glaubten viele Leute, dass die Welt an
den Rand einer ökologischen Katastrophe gelangte. Im Jahre 1979
veröffentlichte der ehemalige Mitarbeiter der NASA, der Wissenschaftler
James Lovelock sein Buch „Gaja - ein neuer Blick auf das Leben auf der
Erde”, in dem er die so genannte Gai-Hypothese formulierte. Danach
stellt das Leben auf der Erde ein leistungsfähiges System dar, das
unabhängig vom menschlichen Tun oder sogar trotz des menschlichen Tuns
Bestand haben wird. Diese Theorie schuf die Grundlage für die Ideologie
der tiefen Ökologie. So entstand die Bewegung der „Rückkehr zur Erde“,
die Ökologen begannen mit den Gegnern des Vietnam-Krieges zusammen zu
arbeiten. Viele dieser Leute, die außerhalb der Gesellschaft lebten,
unternahmen Aktionen gemäß immer radikaleren Theorien, wie z.B. der
tiefen Ökologie.
Die weitere Geschichte des Umweltschutzes war voll von Debatten und
Konflikten zwischen den radikalen Aktivisten und den Hauptfraktionen
innerhalb der ökologischen Bewegung.
Der Umweltschutz betrachtet heute auch die Probleme der globalen
Erwärmung sowie der sich dynamischen entwickelnden Gentechnik.